C III 3 Andelfingen, Landvogtei, 1365-1826 (Fonds)

Archive plan context


Ref. code:C III 3
Title:Andelfingen, Landvogtei
Inhalt und Form:Urkunden und Akten des Rechenrats bzw. Finanzrates, die Landvogtei Andelfingen betreffend.
Creation date(s):1365 - 1826
Aktenbildner:Zum kyburgisch-habsburgischen Amt Andelfingen gehörten ums Jahr 1400 die Dörfer an der Thur im nördlichen Teil des heutigen Kantons Zürich. Aus landenbergischem Besitz gelangte die Herrschaft 1434 um 2300 Gulden an die Stadt Zürich. Diese regierte in Andelfingen zunächst durch einen Obervogt, von 1482 bis 1798 durch einen Landvogt auf dem Schloss Andelfingen. Zur Landvogtei gehörten die Gemeinden Andelfingen (mit Kleinandelfingen), Adlikon, Dorf, Henggart (teilweise), Humlikon, Ossingen, Thalheim (Dorlikon) und Waltalingen. Nach 1750 wurden die früheren Obervogteien bzw. Herrschaften Flaach-Volken und Wülflingen-Buch der Landvogtei zugeteilt; ebenso gehörte zu ihr das nördlich des Rheins (in der Grafschaft Nellenburg) gelegene Dörflingen. Im Osten grenzte die Landvogtei an die Landgrafschaft Thurgau, sonst war sie von der Grafschaft Kyburg umgeben.
Wie in den anderen zürcherischen Vogteien oblag dem Landvogt in Andelfingen u. a. der Vollzug der obrigkeitlichen Verordnungen, die Aufsicht über die Gemeinden und über die Vogteigerichte. Seine Macht war beschränkt gegen oben durch die Regierung in Zürich, gegen unten durch das Andelfinger Amtsrecht. Dieses liegt vor aus dem Jahr 1537, geschmückt durch eine Wappentafel des Künstlers Hans Asper in Öl und Tempera auf Pergament (C III 3, Nr. 314). Nicht zuletzt zählte zu den Pflichten des Landvogts sodann die getreuliche Verwaltung der zahlreichen Güter und Gefälle, die zum Schloss gehörten.
Die Landvogtei Andelfingen war ausgesprochen bäuerlich geprägt, wovon die Dörfer im so genannten "Weinland" heute noch zeugen. Eine Besonderheit war die Thurbrücke in Andelfingen, wo Zürich durch Beamte einen Zoll erhob. Erwähnenswert im Zusammenhang mit dem vorliegenden Fonds sind ferner die Gefälle des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen, die durch einen Andelfinger Bürger und Klosteramtmann eingezogen wurden. Die Gefälle Allerheiligens gelangten 1805 im Abtausch gegen zürcherischen Besitz des Amtes Stein am Rhein an den Kanton Zürich.
Das Ende der Landvogtei kam mit der helvetischen Revolution 1798. Die Pfarrgemeinden südlich der Thur wurden zum Distrikt Andelfingen, jene nördlich zum Distrikt Benken. 1803 wurden diese Distrikte vereinigt zum Bezirk (1815-1831 Oberamt) Andelfingen, verwaltet durch einen Statthalter (Oberamtmann) in Andelfingen. Für den Bezug der staatlichen Gefälle aus den ehemaligen Vogteien Andelfingen und Laufen wurde 1803 eine Schaffnerei in Andelfingen geschaffen.

Vorgänger: Landenbergische etc. Herrschaft bzw. Amt bis 1434
Nachfolger: Verwaltungsdistrikt bzw. Oberamt und Bezirk nach 1798
Gründungsjahr: 1434; Auflösungsjahr: 1798
Fondsgeschichte:Der Fonds C III 3 Andelfingen vereinigt 484 Nummern, bestehend zum Teil aus einzelnen Urkunden, zum Teil aus umfangreichen Betreff-Dossiers. In der überwiegenden Mehrheit handelt es sich um Papierakten. Seiner Entstehungsgeschichte nach handelt es sich um einen so genannten "Mischfonds" mit verschiedenen Provenienzen:
Die Nummern 1 bis 229 stammen aus der Kanzlei des alten Finanz- oder Rechenrates. Sie wurden dort um 1790 gesichtet, geordnet und in Kopialbüchern abgeschrieben (heute B I 5 - B I 7). Naturgemäss betreffen sie in erster Linie Rechtstitel, die Ökonomie, die Einkünfte und das Bauwesen des Staates in der ehemaligen Landvogtei Andelfingen.
Die Nummern 228 b bis 290 gelangten 1805 von Schaffhausen ins zürcherische Finanzarchiv, als die zürcherischen Gefälle des ehemaligen Klosters Allerheiligen mit jenen des Amtes Stein am Rhein (nunmehr Kanton Schaffhausen) ausgekauft bzw. getauscht wurden. Viele dieser Rechtstitel wurden bei der Ablösung der Gefälle extradiert und liegen seither teilweise in den jeweiligen Gemeindearchiven.
Die Nummern 291 bis 454 sind in der Regel mit dem Stempel LMB (Landmessungsbüro) versehen. Es handelt sich dabei um jene Urkunden und Akten, die 1798/1799 von den helvetischen Behörden direkt im Schloss Andelfingen ausgehoben und in das neue helvetische Landmessungsbüro in Zürich abgeliefert wurden. Nach dem Ende der Helvetik gelangten die Unterlagen ins zürcherische Finanzarchiv, wo sie dem Fonds "Landvogtei Andelfingen" angegliedert wurden. Die Nummern 291 bis 454 sind somit das eigentliche Andelfinger "Landvogteiarchiv", soweit dieses 1798/1799 gesichert und nach Zürich abgeliefert worden war. Sie betreffen alle Aspekte der zürcherischen Landesverwaltung und der Tätigkeit eines Zürcher Landvogts, damit natürlich auch die Geschichte der Gemeinden in der Herrschaft Andelfingen.
Die Nummern 455 bis 484 schliesslich reichen von 1365 bis 1822. Sie stammen aus der Finanzkanzlei (der früheren Rechenkanzlei), stehen im Zusammenhang mit Gefällbereinigungen und enthalten namentlich Urkunden und Akten, die Rheinau, das frühere Amt Uhwiesen-Laufen und Stammheim betreffen.
Nach 1810 fertigte Finanzarchivar Jakob Christoph Kilchsperger zu allen Nummern des Fonds "Andelfingen" Regesten sowie ein Lokal- und Sachregister an (KAT 235). Diese Regsten wurden 2002 von Meinrad Suter (Hettlingen) - in mässiger Anpassung an die heutige Schreibweise - transkribiert. Im Jahr 2005 wurde (von Meinrad Suter, StAZH) die Kilchsperger-Transkription in die Archivdatenbank des Staatsarchivs überführt, die Fondsgeschichte wurde verfasst und die Akten wurden archivgerecht verpackt (die Landvogteiakten waren bis dahin - vermutlich - immer noch so gefaltet und gebündelt wie 200 Jahre zuvor).
Publications:An Quellen zur Landvogtei Andelfingen bis 1798 sind nebst der Urkundenabteilung C III 3 unter anderem folgende Bestände zu konsultieren:
- A 108.1 - A 108.10 (Akten der Staatskanzlei 1492-1797)
- B I 5 - B I 7 (Kopiebücher zu C III 3 Andelfingen, um 1795, mit Nachträgen nach 1800)
- B VII 2.1 - B VII 2.39 (Urteilsbücher, Gerichtsrodel, Waisenbücher, Kirchengutsrechnungen, 16.-18. Jahrhundert)
- F I 71 (Lehenbuch 14.-17. Jahrhundert)
- F II a 17 - F II a 29 (Herrschaftsurbare der Landvogtei Andelfingen, 15.-19. Jahrhundert)
- F III 3 (Rechnungen der Landvogtei Andelfingen 1532-1794)
- RR I 54 b 7 und RR I 54 b 42 - RR I 54 b 47 (Lagerbücher der Domänenverwaltung, 19. Jahrhundert)

An Literatur ist u. a. zu nennen:
- Sigg, Otto. Geschichte der Gemeinde Ossingen. Hrsg. von der politischen Gemeinde Ossingen. Winterthur 1988.
- Stauber, Emil. Geschichte der Kirchgemeinde Andelfingen, umfassend die politischen Gemeinden Andelfingen, Kleinandelfingen, Adlikon und Humlikon und für die ältere Zeit auch die politischen Gemeinden Dägerlen, Dorf, Thalheim und Volken. 2 Bände. Zürich 1940/1941.
Bestände:C III 3
Level:Fonds
Ref. code AP:C III 3
 

Related units of description

Related units of description:Siehe:
KAT 235 Andelfingen, Landvogtei: Urkunden (C III 3), 1840 (Dossier)
 

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