Mommsen, Karl (1923-1976), Historiker, von Deutschland und Basel, 1968-1970 (Fonds)

Archive plan context


Title:Mommsen, Karl (1923-1976), Historiker, von Deutschland und Basel
Inhalt und Form:Regesten und Reproduktionen von Zürcher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe.
Creation date(s):1968 - 1970
Running meters:0.45
Number:28
Aktenbildner:Karl Mommsen wurde 1923 als jüngster Sohn des Historikers Wilhelm Mommsen (1892-1966), später Professor in Marburg, und Urenkel des berühmten Altertumswissenschaftlers Theodor Mommsen (1817-1903), in Bremen geboren. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich Jens (geb. 1927) und seinen Zwillingsbrüdern Wolfgang Justin (1930-2004) und Hans (1930-2015) wuchs er in Marburg auf.
Karl Mommsen verliess 1937 nach der 8. Klasse die Schule. Ob er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs eingezogen wurde oder sich freiwillig meldete, ist unklar. Zum Schluss des Krieges war er Offizier an der Ostfront, schlug sich nach Hause durch und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft in Marburg. Nach der Entnazifizierung im Juli 1947, aufgrund der Jugendamnestie, konnte Karl Mommsen ohne Abitur in Göttingen mit dem Studium beginnen. 1948 kam er mit dem studentischen Landdienst in die Schweiz. Nach einem Semester in Bern setzte er, gefördert durch Albert Bruckner, sein Studium der Schweizergeschichte, Allgemeinen Geschichte und des Völkerrechts an der Universität Basel fort und schloss 1957 mit einer Dissertation über "Eidgenossen, Kaiser und Reich. Studien zur Stellung der Eidgenossenschaft innerhalb des heiligen römischen Reiches" (Helbing & Lichterhahn, 1958) ab.
Vor und nach dem Doktorexamen war Karl Mommsen zunächst Mitarbeiter von Erich Gruner in Bern und Hans Georg Wackernagel in Basel. 1959 übernahm er den Auftrag für die Firmengeschichte "Drei Generationen Bauingenieure. Das Ingenieurbureau Gruner und die Entwicklung der Technik seit 1860" (Gruner, 1962). 1961 wurde Karl Mommsen in das Basler Bürgerrecht aufgenommen; er heiratete die Baslerin Sibylle Straub, der gemeinsame Sohn erhielt den altbaslerischen Vornamen Remigius.
Von 1963-1967 bekleidete Mommsen eine Halbtagesstelle als wissenschaftlicher Hilfsassistent im Staatsarchiv Basel. Gleichzeitig arbeitete er an seiner Habilitation mit dem Titel "Auf dem Weg zur Staatssouveränität. Staatliche Grundbegriffe in Basler juristischen Doktordisputationen des 17. und 18. Jahrhundert" (Francke, 1970), die jedoch abgelehnt wurde, während seine beiden jüngeren Brüder 1968 auf Lehrstühle der Universität Düsseldorf und Bochum berufen wurden.
1967 wurde Mommsen, finanziert durch den Schweizerischen Nationalfonds, Mitarbeiter der Rechtsquellenkommission des Schweizerischen Juristenvereins mit dem Auftrag der Sammlung von schweizergeschichtlichen Quellen aus der Zeit bis 1798 in ausländischen Archiven. Ausgewählt wurde aufgrund seiner reichen Bestände zum Gebiet der heutigen Schweiz das Generallandesarchiv Karlsruhe. Mommsen verzeichnete die Quellen in Regestenform auf Karteikarten, von denen er den Staatsarchiven jener Kantone, auf die sich die Quellen bezogen, Durchschlagkopien abgab. Gleichzeitig bot er den Staatsarchiven an, von vereinzelten Unterlagen Fotokopien und von umfangreicheren Beständen Mikrofilme zu erstellen. Auch das StAZH machte von diesem Angebot Gebrauch. Mit jährlichen Krediten von CHF 500 konnten 1968-1970 insgesamt rund 2200 Mikrofilmaufnahmen (X 256.2) und rund 400 Fotokopien (X 256.3) von für das Gebiet des heutigen Kantons Zürich wichtigen Quellen erstellt werden; weniger wichtige Quellen sind lediglich in der Kartei (X 256.1) verzeichnet. Ist ein Mikrofilm oder eine Fotokopie vorhanden, ist dies auf der Karteikarte vermerkt. Bereits früher für die Fotosammlung des StAZH reproduzierte Quellen im Generallandesarchiv wurden dort belassen (heute in TAI 4) und nicht nochmals reproduziert. Abgeschlossen wurde die "Aktion Mommsen" für das StAZH 1973 mit einem nachträglich erstellten Mikrofilm und 1975 mit nachträglich erstellten Fotokopien.
Für das Gesamtunternehmen konstituierte sich 1970 ein Kuratorium zur Erschliessung schweizergeschichtlicher Quellen in ausländischen Archiven mit Vertretern des Allgemeinen Geschichtforschenden Gesellschaft der Schweiz AGGS, der Rechtsquellenkommission, der Vereinigung Schweizerischer Archivare VSA und des Bundesarchivs, um die Arbeiten Mommsens systematisch fortzuführen und mit Projekten ähnlicher Zielrichtung, namentlich des Bundesarchivs für Quellenbestände in ausländischen Archiven des 19. und 20. Jahrhunderts, zu koordinieren. 1972 zog Mommsen nach mittlerweile ca. 18 000 erstellten Regesten und nach einer Umfrage bei Archiven und Bibliotheken eine Bilanz seiner Arbeit, die in die Empfehlung des Kuratoriums mündete, die Sammlung weiter fortzuführen. Dies geschah ab Sommer 1972 mit Unterstützung von zwei Mitarbeitern, so dass das Projekt auch nach dem Tod von Mommsen fortgeführt werden konnte. Dabei wurden bis 1981 gegen 80 000 Fotokopien und rund 3500 Mikrofilmaufnahmen an die interessierten Archive ausgeliefert.
Parallel zur Fortsetzung der Arbeiten im Generallandesarchiv Karlsruhe nahm das Kuratorium unter Federführung der Rechtsquellenkommission die Publikation der Regesten in Angriff. Das "Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe" erschien 1981-1990, mitfinanziert vom StAZH, in 2 Abteilungen mit 5 Bänden in gegenüber den Arbeiten von Karl Mommsen stark überarbeiteter und erweiterter Form. Es enthält, wie die Karteien von Mommsen für die einzelnen Archive, den (allerdings nicht vollständigen) Nachweis der Mikrofilme und Fotokopien (im Fall des StAZH: "StA ZH Micro" bzw. "StA ZH Xerox") und kann deshalb ebenfalls als Findmittel zu X 256.2 sowie X 256.3 dienen. Ebenfalls in das Repertorium aufgenommen sind die 1932 vom Generallandesarchiv Karlsruhe dem StAZH extradierten Urkunden (heute C V 6).
Neben seiner Arbeit in Karlsruhe erarbeitete Mommsen in der Reihe der Sammlung schweizerischer Rechtsquellen anfänglich gemeinsam mit Karl Schib, ab 1968 allein den ersten Band der Rechtsquellen des Kantons Schaffhausen, Teil 1 (Stadtrechte), mit den rechtsgeschichtlich relevanten Urkunden im Zeitraum 1045-1415. Sein Tod 1976 verzögerte die Publikation bis 1989.

Benutzte Literatur:
Staehelin, Andreas: Karl Mommsen (1923-1976), in: Mitteilungen der Vereinigung Schwerizerischer Archivare, Nr. 76, 1976, S. 59-62 (StAZH Bib.: Ec 23.3)
Köpf, Peter: Die Mommsens. Von 1848 bis heute - die Geschichte einer Familie ist die Geschichte der Deutschen, Leipzig, 2004, S. 9, 34, 238, 296, 393-399
Mommsen, Karl: Die Sammlung schweizergeschichtlicher Quellen in ausländischen Archiven, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 22, 1972, S. 478-504 (auch als Sonderabdruck: Schriften der Vereinigung Schweizerischer Archivare, Heft 12), bes. S. 488-489 (StAZH Bib.: Ba 79.22)
Salzmann, Martin: Zur Erschliessung und Sammlung von Helvetica im Generallandesarchiv Karlsruhe, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 129, 1981, S. 516-541
Fondsgeschichte:Die Unterlagen kamen 1968-1970 sowie 1973 und 1975 fortlaufend direkt von Karl Mommsen ins Staatsarchiv. Zwischen Sommer 1983 und Frühjahr 1984 wurden sie unter der Signatur B X 256 (später X 256) im Katalog verzeichnet.
Im Rahmen der Überführung der alten Kataloge in das Archivinformationssystem wurde die Sammlung von Juli bis August 2018 von Bettina Tögel und Christian Sieber nacherschlossen.
Access regulations:Da keine andere Regelung getroffen wurde, kommen die gesetzlichen Schutzfristen zur Anwendung.
Related material:Wissenschaftlicher Nachlass im Staatsarchiv Basel PA 860
Reproduktionen von Turicenisa im Generallandesarchiv Basel aus der Fotosammlung des StAZH sowie aus der Zeit nach der "Aktion Mommsen"
Zürcher Urkunden aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe
Bestände:X 256
Level:Fonds
Weblinks:Nachlass im StABS PA 860
Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe
 

Related units of description

Related units of description:Siehe:
Z 231.280 Kuratorium zur Erschliessung schweizergeschichtlicher Quellen in ausländischen Archiven, 1968-1977 (Dossier)

Siehe:
C V 6 Zürcher Urkunden aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe, 1338-1785 (Fonds)

Siehe:
Abteilung Generallandesarchiv Karlsruhe (Reproduktionen), 1320 (ca.)-1359 (ca.) (Klasse)

Siehe:
X 257 Dokumentation zu schweizergeschichtlichen Quellen aus der Zeit bis 1798 in ausländischen Archiven und Bibliotheken sowie Verzeichnis der Reproduktionen von Archivalien ausländischer Archive und Bibliotheken in der Fotosammlung des StAZH, 1966-1967 (Dossier)
 

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